Bei hochsommerlichen Temperaturen sind zahlreiche Menschen am vergangenen Freitag der Einladung der Evangelischen Kirche zur bundesweiten Aktion „einfach heiraten“ gefolgt und haben am 26.6.26 in Dalsheim und Worms „Ja“ gesagt. Einige traten nach vielen gemeinsamen Jahren in den Bund der Ehe, andere ließen sich und ihre Liebe segnen.
Emotionale Momente und große Überraschungen
Taschentücher wurden dabei nicht nur wegen der Hitze gezückt – stellenweise ging es sehr emotional zu. So erhob sich in der Wormser Magnuskirche plötzlich ein Flashmob-Chor, der zunächst ‚nur‘ für Freunde des Brautpaares gehalten wurde, und sang gemeinsam mit Pfarrerin Sophia Schäfer ein Lied.
Nicht weniger berührend war die Geschichte von Angelika und Dieter Rauh. Dieter Rauh hatte erst am Vormittag von der Aktion erfahren und spontan die Vorgesetzte seiner Frau kontaktiert. So konnte er seine Ehefrau zum 50. Jahrestag ihres Kennenlernens mit einem persönlichen Segen überraschen.
„Es war alles da“
„Wir kommen wieder und dann lassen wir uns segnen!“, kündigten Manuela und Thorsten Schreiner-Eisele strahlend an. Das Paar wurde von der stellvertretenden Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, getraut und konnte kaum glauben, dass Heiraten tatsächlich so „einfach“ sein kann. „Es war alles da: Dekoration, Verpflegung, sogar ein Brautstrauß – wir mussten uns um gar nichts kümmern“, erzählten die beiden aus Hohen-Sülzen. Besonders berührt habe sie die persönliche Gestaltung der Zeremonie: „Obwohl wir niemanden kannten, waren alle so freundlich. Durch das kurze Vorgespräch mit der Pfarrerin drehte sich die Trauung ganz individuell um uns.“
Segen auch für Einzelpersonen und Familien
Am Segensort Dalsheim hatten sich die Verantwortlichen etwas Besonderes einfallen lassen: Neben Trauungen und Paarsegnungen konnten sich an der historischen Fleckenmauer auch Einzelpersonen und Familien segnen lassen. „Ich habe ja leider niemanden (mehr)“, habe sie im Vorfeld der Aktion häufig gehört, berichtet Pfarrerin Mareike Stübing. Daraus sei die Idee entstanden, das Segensangebot bewusst zu erweitern. Neun Einzelpersonen und eine Familie nahmen dieses Angebot wahr. Bei der anschließenden Feier gab es für alle ein Stück der beeindruckenden dreistöckigen Torte – ein Glück, dass der Küster gelernter Bäcker ist.
Liebe feiern – ganz ohne Perfektionsdruck
„Ob klassisch im Brautkleid und Anzug oder in Shorts und Sandalen, mit großer Hochzeitsgesellschaft oder einfach zu zweit – an diesem Tag wurde die Liebe so gefeiert, wie es für die Paare am besten passte. Genau so haben wir uns das gewünscht“, blickt Alexander Ebert zufrieden auf die Aktion zurück. Der Dekanatspräses hatte gemeinsam mit Dekanin Jutta Herbert bereits im vergangenen Jahr an der Aktion „einfach heiraten“ in Darmstadt mitgewirkt. Gemeinsam beschlossen sie, das besondere Angebot auch ins Evangelische Dekanat Worms-Wonnegau zu holen.
„Ich bin sehr glücklich, dass Jung und Alt unserer Einladung gefolgt sind. Wir haben Menschen zwischen 27 und 76 Jahren getraut und gesegnet“, resümiert Jutta Herbert. „So viele Freudentränen und lachende Gesichter an einem Tag – das war schon etwas ganz Besonderes.“
Nach dem Erfolg der diesjährigen Aktion steht für die Verantwortlichen bereits fest: „einfach heiraten“ hat vielen Menschen einen besonderen Moment geschenkt – und gezeigt, dass Kirche Menschen dort erreichen kann, wo sie mit ihren Lebensgeschichten stehen.